Govee TV Backlight 3 Pro im Hands-on-Test: Mehr Immersion fürs Heimkino?
Um das eigene Heimkino-Erlebnis aufzuwerten, gibt es viele Möglichkeiten. Eine davon sind Ambient Lights wie das Govee TV Backlight 3 Pro, das mithilfe einer speziellen Dreifachkamera den TV scannt und eine entsprechende Lichtstimmung schafft. Das haben wir uns im Hands-on-Test einmal angeschaut.
Auf dieser Seite
Für den einen bedeutet Heimkino, vor der größtmöglichen Leinwand zu sitzen und im Schein eines 4K-Beamers zu versinken. Jemand anderes legt dagegen mehr Wert auf eine dicke Soundbar, die die Wände nur so wummern lässt. Doch was die meisten vereinen dürfte, die es sich einfach gerne mit den richtigen Snacks und dem passenden Film gemütlich machen möchten, ist der Wunsch, abzutauchen. Bestenfalls endet die Immersion jedoch nicht an den Rändern des im Grunde beliebig großen Fernsehers. Und genau hier kommen Ambient Lights ins Spiel, die es erlauben, die Lichtstimmung entsprechend dem Bildschirminhalt anzupassen. Manche Hersteller setzen dabei darauf, das Signal direkt per HDMI auszulesen, andere scannen den TV mithilfe einer Kamera. Mit dem TV Backlight 3 Pro geht Govee ebenfalls den zweiten Weg, entwickelt die Idee aber konsequent weiter. Ob das allerdings auch mein Erlebnis tatsächlich immersiver gestalten konnte, zeigt dieser Hands-on-Test.
Lieferumfang & Montage
Auf den ersten Blick mag der Lieferumfang wegen der vielen Kabel und Kleinteile etwas chaotisch wirken. Doch prinzipiell besteht dieser lediglich aus fünf Elementen: der Kamera selbst, dem LED‑Streifen, der Steuerbox, Montagematerial und den Stromkabeln. Was man davon zuerst anbringt, kann je nach Zugänglichkeit der TV-Rückseite oder einer Steckdose recht individuell ausfallen.
So besitze ich einen 55-Zoll-QLED, der auf einem Lowboard steht und hinter dem ich sämtliche Kabel versteckt habe. Daher hielt ich es für sinnvoll, zunächst die Steuereinheit anzukleben und mit meiner Steckleiste zu verbinden. Mit ca. 1,5 m ist das Stromkabel glücklicherweise lang genug. Millimeterarbeit ist hier also nicht nötig. Man sollte allerdings darauf achten, die kleine Box gut, aber vorsichtig anzudrücken, sodass sie auch wirklich langfristig hält. Und was mir ebenfalls geringfügig in die Quere kam, war das ausgesprochen klobige Netzteil.
Bildergalerie
Als Nächstes würde ich empfehlen, den LED-Streifen anzubringen - warum genau, folgt gleich. Dieser ist in der hier vorliegenden 55-bis-65-Zoll-Version knapp über 4 m lang, wozu noch etwa 1 m Kabel hinzukommen. Ferner verfügt der Streifen über drei "Knickstellen" für die TV-Ecken und ist selbstklebend. Im Lieferumfang befinden sich aber auch zehn sowie ein separater Plastikhalter (2. Bild), die für zusätzliche Stabilität sorgen sollen. An welcher Ecke man mit dem Kleben beginnt, ist selbstverständlich einem selbst überlassen. Ein zusätzliches Paar Hände vereinfacht den ganzen Vorgang jedoch um ein Vielfaches.
Die Kamera des Govee TV Backlight 3 Pro
Sobald der LED-Streifen über die Steuerbox mit dem Strom verbunden ist, kann es an die Kamera gehen. Diese verfügt über einen rutschfesten Standfuß, sodass man sie theoretisch unterhalb des Fernsehers platzieren kann. Gerade hinter einer Soundbar oder geschickt im Lowboard versteckt kann das durchaus eine Lösung sein. Wie flexibel man dabei tatsächlich ist, hängt aber auch von dem 1 m langen USB-C-Kabel ab, das Kamera und Box miteinander verbindet. Die Kamera auf dem TV zu platzieren, wofür ich mich aufgrund meines Setups entschieden habe, hat dagegen leider eine große Schwäche. Und damit ist nicht gemeint, dass sie etwa ins Bild hängt - diese anfängliche Befürchtung hat sich sehr schnell erledigt. Stattdessen liegt sie mit ihren 266 g auf meinem wenige Millimeter dicken QLED so wackelig auf, dass selbst kleinste Erschütterungen sie bewegen. Daher sollte die Kamera auch zuletzt angebracht werden, damit sie beim Ankleben der LED nicht abstürzt. Besonders ärgerlich ist das, wenn man gerade die ansonsten sehr simple Justierung abgeschlossen hat, dann aber versehentlich den Fernseher zu stark berührt.
Sichtbare Verbesserung auch ohne lästiges Einstellen
Ein großer Pluspunkt ist hingegen, dass das Govee TV Backlight 3 Pro sofort nutzbar ist, ohne etwas einstellen zu müssen. Anbringen, einstecken, Knopf drücken - fertig. Die Kamera liest die Bildinformationen sofort aus und überträgt sie an die LEDs. Lediglich justieren kann man sie nur über die Govee-App, um unter anderem die Richtung des Streifens festzulegen, damit ein Lichtstreif links auch links ausgegeben wird.
Des Weiteren kommen hier die orangefarbenen Schaumstoffwürfel zum Einsatz. Diese müssen an vorgegebenen Stellen temporär angeklebt werden, um die Grenzen des Bildschirms anzuzeigen. Die App leitet einen in wenigen Minuten durch den Prozess, sodass man im Anschluss sofort die Farbpracht genießen kann. Und eines kann man bis hierher auf jeden Fall sagen: Prächtig sind die Farben allemal. Im Detail gibt es aber selbstverständlich noch das eine oder andere anzumerken.
Bildergalerie
Theorie vs. Praxis
Der HDR-fähige Bildsensor soll daraufhin präzise Farben erkennen, während der Chip sie binnen Millisekunden mit der Ausgabe synchronisiert. Dessen erweiterte Leistung ermöglicht übrigens die gleichzeitige Ansteuerung von bis zu zehn Geräten via Govee Dreamview. Wozu Sensor und Chip theoretisch fähig sind, ist aber nicht nur vom LED-Streifen abhängig. Zwar hat dieser mit erhöhter Diodendichte, 16-Bit-Farbchips und Luminblend-Algorithmus auf dem Papier einiges zu bieten. Am Ende wird der Bildschirm aber erstens lediglich abgefilmt, was in der Praxis häufig weniger präzise als die Direktabnahme via HDMI funktioniert. Und zweitens kommt es maßgeblich auf die reflektierende Fläche an, also die Wand hinter dem Fernseher.
Wie auf dem Titelbild zu sehen, wird so aus einem tiefen Dunkelblau gerne einmal Lila, während Lila in ein helles Magenta übergeht. Eine 1-zu-1-Wiedergabe der auf dem Fernseher dargestellten Farben ist also nicht gegeben. Das ist aber ohnehin nicht nur sehr schwer zu erreichen, sondern fällt im alltäglichen Gebrauch auch zunehmend weniger auf. Ich nutze das Govee TV Backlight 3 Pro nun seit einigen Wochen beim Filmeschauen und Zocken und habe mich nie an den nicht gänzlich akkuraten Farben gestört. Andere Nutzer könnten das aber natürlich anders bewerten.
Funktionsumfang der Govee-App
Quelle: Govee
Screenshots der Govee-App
Zudem ist in Verbindung mit der Govee-App noch eine ganze Menge mehr möglich. Neben dem bereits angesprochenen Dreamview kann man etwa die Lichtfarbe anpassen, vorgefertigte oder von anderen Nutzern erstellte Szenen auswählen oder die Farben mit abgespielten Songs synchronisieren. Außerdem gibt es noch die KI, der man per Chat oder Sprachsteuerung Anweisungen geben kann. Und insbesondere im DIY-Bereich können sich Hobby-Lichttechniker richtig austoben. Damit ist das Ambient Light nicht nur auf die Nutzung im Heimkino-Bereich beschränkt, sondern kann auch bestehende Govee-Systeme sinnvoll erweitern, falls man bereits über andere Produkte des Herstellers verfügt.
Govee TV Backlight 3 Pro: Fazit
Hinsichtlich des Funktionsumfangs gibt es nichts zu meckern. Wohl aber bei der eigentlich sehr durchdachten Inbetriebnahme, die von der zu locker aufsitzenden Kamera und dem klobigen Netzteil getrübt wird. Da das Ambient Light je nach Nutzung bis zu maximal 36 Watt verbraucht, reicht die Verbindung mit dem TV via USB verständlicherweise nicht aus. Allerdings wäre eine andere Netzteillösung meiner Ansicht nach dennoch sinnvoller. Immerhin ist der Platz hinter einem Fernseher naturgemäß sehr begrenzt. Ergänzend sei zum Verbrauch aber noch gesagt, dass das Backlight 3 Pro automatisch abschaltet, wenn der TV aus ist, was ebenfalls Strom spart.
Was die Farbwiedergabe angeht: Ob und wie sehr man sich daran stört, ist sehr individuell. Wer für den Markenpreis eine farbgenaue Wiedergabe erwartet, könnte vom Ergebnis enttäuscht werden. Wer hingegen lediglich eine stimmungsvolle Bilderweiterung sucht, die die Atmosphäre eines gemütlichen, spannenden oder romantischen Filmabends ergänzt, kommt hier voll auf seine Kosten. Hinzu kommen die zahlreichen weiteren Features, von denen man wiederum vor allem dann profitiert, wenn man bereits Govee-Produkte besitzt. Doch wenn man bereit ist, das Geld in die Hand zu nehmen, erhält man dafür ein spürbares Upgrade für die eigenen vier Wände.
