Xeon E3-1230 v3 im Test: Workstation-Haswell-CPU mit Hyperthreading ein Geheimtipp? [Artikel des Monats Dezember 2013]
Aktuelles Haswell-Innenleben, vier Kerne plus Hyperthreading und ein Maximaltakt von 3,7 GHz - reichen diese Zutaten, um aus dem rund 210 Euro teuren Xeon E3-1230 v3 einen Prozessor-Geheimtipp zu machen? PC Games Hardware geht dieser Frage nach und bewertet neben der Leistung auch Preis-Leistungsverhältnis und Effizienz der Intel-CPU.
Anmerkung: Dieser Artikel hat im Dezember 2013 die meisten Seitenaufrufe bei unseren Usern gehabt und war entsprechend extrem populär. Aus diesem Grund veröffentlichen wir ihn heute erneut - vielleicht finden Sie den Artikel ja heute ebenfalls spannend.
Quelle: PC Games Hardware
Xeon E3 1230v3
Intels aktuelle Prozessorgeneration mit dem Codenamen Haswell ist unter Spielern bereits weit verbreitet, wenn man die vergleichsweise kurze Angebotszeit seit Frühsommer 2013 bedenkt. Angesichts der hohen Spieleleistung verwundert das allerdings nicht allzu sehr. Doch es gibt auch User, die mit ihrem Rechner neben dem Spielen Programme nutzen, die für ernstere Aufgaben geschaffen wurden. Trotz des auch in Spielen inzwischen zunehmenden Trends, mehr als zwei Prozessorkerne zu nutzen, sind Anwendungen hauptsächliche Nutznießer von Multi-Threading. Von 3D-Rendering über Video-Encoding bis hin zum simplen Komprimieren von Daten lassen sich alltägliche (und nicht ganz so alltägliche) Aufgaben vorzüglich auf mehrere Kerne verteilen.
Und hier kommt der Xeon E3-1230v3 ins Spiel. Wie schon seine Vorgängermodelle bietet er dank Hyper-Threading-Technik nahezu die Anwendungsleistung des Desktop-Spitzenmodells, welches in seiner Baureihe als einziges ebenfalls diese Technik beherrscht, kostet aber weit weniger. Und obwohl es sich nominell um ein Workstation-Produkt handelt, funktioniert die CPU in den meisten Standard-Mainboards vollkommen problemlos. Ist die CPU also eine eierlegende Wollmilchsau? Fast, denn es gibt Einschränkungen!
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Quelle: PC Games Hardware
Xeon E3 1230v3: Die CPU passt in Sockel-1150-Mainboards
Der Xeon E3-1230v3: Überblick
Die Eckdaten des Workstation-Prozessors lesen sich beinahe identisch zu denen der Core i7-4770-Modelle: Vier Kerne, Hyperthreading, 8 MiByte Last-Level-Cache und eine Turbo-Funktion - klingt alles nach dem Haswell-Standard, denn sämtliche Befehlssatzerweiterungen wie AVX, AVX2 und FMA3 werden ebenfalls unterstützt. Kleinere Unterschiede gibt es bei den Virtualisierungsfunktionen, dem Speicherschutz ECC und ähnlichen Dingen - die Tabelle weiter unten im Artikel gibt Aufschluss. Außerdem hat Intel die Grafikeinheit HD4600, welche in den Desktop-Modellen schlummert, hier komplett deaktiviert, obwohl sie natürlich weiterhin im Chipkern integriert ist. Dadurch sinkt die TDP um magere 4 auf nunmehr 80 Watt. In der Praxis ist die Kühlung des Prozessors dadurch aber nicht einfacher, da die Varianz zwischen einzelnen Exemplaren größer ist als diese 4 Watt Nominalunterschied.
Taktseitig muss der Xeon E3 gegenüber dem i7-4770K auf 200 MHz bei Basis- und Turbo-Takt verzichten, kostet dafür mit rund 210 Euro auch circa 70 Euro weniger als das nominelle Desktop-Flaggschiff. Er wildert damit im Revier des i5-4670K. Dem hat er Hyperthreading und 2 MiByte LLC voraus, verfügt aber über weniger Takt und stark eingeschränkte OC-Funktionen. Abhängig vom Mainboard lässt sich lediglich der maximale Einkern-Turbo auf alle Kerne erweitern - die mageren ~5 MHz BCLK-Tuningpotenzial fallen da kaum noch ins Gewicht und bergen Absturzrisiken.
Xeon E3-1230v3: Der Test
Quelle: PC Games Hardware
Xeon E3 1230v3: Im Leerlauf
Im Test haben wir die CPU daher neben ihrem Norm- auch im OC-Betrieb mit durchweg 3,7 GHz betrieben - genau wie den direkten Konkurrenten aus eigenem Hause, den i5-4670K. Dessen freier Multi erlaubte unserem Exemplar, ohne Spannungsänderung mit 4,3 GHz zu laufen, sodass wir diese Werte ebenfalls mit einfließen ließen. Zudem mit an Benchmark-Board sind die beiden preislich nächsten AMD-Prozessoren, der FX-8350, und dessen Centurion-Geschwister mit etwas mehr Leistung und viel mehr Stromverbrauch, der FX-9370. Weitere Vergleichs-Prozessoren finden Sie in der Print-Ausgabe der PC Games Hardware und zwar in der 01/2014, die ab dem 4. Dezember im Handel ausliegt.
Quelle: PC Games Hardware
Xeon E3 1230v3: Unter Last
Jeder Prozessor erhält pro Speicherkanal 4 GiByte DDR3-RAM mit dem Takt, für den das jeweilige Rechenzentrum spezifiziert ist. Die Timings entsprechend dabei den schärfsten von der JEDEC standardisierten Zyklusabständen. In unserem speziellen Falle erhalten die Intel-CPUs daher DDR3-1600-Module mit 8.8.8.24-1T, AMD-Prozessoren DDR3-1866-Speicher mit 9.9.9.28-1T. Entgegen früherer Annahmen waren die Centurion-CPUs offenbar nur in vorqualifizierten OEM-PCs für bis zu DDR3-2400 freigegeben. Die in freier Wildbahn erhältlichen CPUs dagegen sind nach unserem derzeitigen Kenntnisstand lediglich bis DDR3-1866 spezifiziert und in dieser Hinsicht nicht besser als ihre günstigeren Verwandten.
Für die Benchmarks verwenden wir das Windows-Energieschema "Höchstleistung", nur die Messung der Leerlaufleistung erfolgt im "Energiesparmodus". Die hardwareseitigen Stromsparmechanismen wie Intels EIST oder AMDs Cool'n'Quiet der Prozessoren hingegen bleiben, wie auch die Turbo-Modi auch bei den Benchmarks aktiv.
Xeon E3-1230v3: Spiele-Leistung
Im Vergleich zu früheren Tests haben wir sowohl die Benchmarks selbst mindestens leicht überarbeitet und zum Teil gar komplett neu gestaltet. Generell haben wir die Messungen auf 20 Sekunden gekürzt, dabei aber die härteste Action eingefangen. Bei Crysis 3 kommt das Windows-Timer-Tool zum Einsatz, damit die CPUs ihre maximale Leistung freisetzen können. In Starcraft 2 messen wir die anspruchsvollsten 20 Sekunden des alten Benchmarks. In Skyrim haben wir per uGrid-Mod (uGridstoLoad = 9 und uExterior Cell Buffer = 81) den Prozessoren deutlich mehr zu tun verschafft. F1 2013 wird von einem HT-Bug heimgesucht: Hier bremst Intels Kernausnutzungstechnik die Fps-Werte. Ferner haben wir unsere Tests auf Windows 8.1 Pro (64 Bit) umgestellt.
Eine Geforce GTX 780 Ti mit fixem Takt und 0,95 Volt bringt das Maximum an Spieleleistung bei einem Minimum an Stromverbrauch. In Crysis 3 und Battlefield läuft die Karte mit 1.000 MHz Kerntakt, in den restlichen Spielen liegt so wenig Last an, dass sie sich bei langsameren CPUs heruntertakten würde - so erlauben wir ihr, in Anno, F1, SC2 und Skyrim gleich mit 875 MHz Baseclock zu laufen.
Xeon E3-1230v3: Anwendungs-Leistung
| 7-Zip (sec) | Lightroom 5.3 (sec) | Luxmark Sala (pts) | x264-UHD (fps) | |
|---|---|---|---|---|
| Core i7-4770K | 239 | 174 | 587 | 5,31 |
| Xeon E3-1240 v3 | 246 | 176 | 571 | 5,17 |
| Xeon E3-1230 v3 | 251 | 182 | 537 | 5,01 |
| AMD FX-9370 | 206 | 172 | 500 | 4,92 |
| Core i5-4670K OC 4,3GHz | 289 | 161 | 429 | 5,02 |
| Core i5-4670K | 313 | 181 | 385 | 4,42 |
| AMD FX-8350 | 218 | 181 | 484 | 4,62 |
Auch unsere Anwendungstests haben wir neu gestaltet. 7-Zip hat nun mehr Threads, wir nutzen eine aktuelle Version des x264-Encoders, welche auch mit AVX2 umzugehen vermag und anstelle von Faststone nutzen wir nun das weit verbreitete Adobe Lightroom in Version 5.3 RC, um 30 RAW-Fotos zu konvertieren - eine praktische Mix-Aufgabe, die zum Teil von hoher Single-Thread-Leistung, von hohem Takt und von guter Parallelisierbarkeit profitiert.
Xeon E3-1230v3: Analyse und Fazit
| Prozessor | Core i7-4770K | Core i7-4771 | Xeon E3-1230 v3 | Core i5-4670K | |
|---|---|---|---|---|---|
| Preis | 280,- | 260,- | 210,- | 200,- | |
| Grund-Takt | 3,5 GHz | 3,5 GHz | 3,3 GHz | 3,4 GHz | |
| Boost-Takt | 3,9 GHz | 3,9 GHz | 3,7 GHz | 3,8 GHz | |
| Übertaktbar | Ja | Kaum | Kaum | Ja | |
| Int. Grafikeinheit | Ja, HD 4600 | Ja, HD 4600 | Nein | Ja, HD 4600 | |
| TDP | 84 Watt | 84 Watt | 80 Watt | 84 Watt | |
| ECC-Support | Nein | Nein | Ja | Nein | |
| CPU-Techniken | |||||
| Hyperthreading | Ja | Ja | Ja | Nein | |
| vPro | Nein | Ja | Ja | Nein | |
| Virtualisierung (Dir. I/O) | Nein | Ja | Ja | Nein | |
| Transactional Memory | Nein | Ja | Ja | Nein | |
| Anti-Theft-Technology | Ja | Nein | Nein | Ja | |
| Trusted Execution Technology | Nein | Ja | Ja | Nein | |
| Preis-Leistungsverhältnis (weniger ist besser) | |||||
| Euro pro Indexpunkt (Gesamt) | 3,39 | 3,15 | 2,71 (OC: 2,58) | 2,78 | |
| Euro pro Indexpunkt (Spiele) | 3,09 | 2,87 | 2,46 (OC: 2,37) | 2,4 | |
| Euro pro Indexpunkt (Anw.) | 4,22 | 3,92 | 3,38 (OC: 3,20) | 3,92 |
Quelle: PC Games Hardware
Xeon E3 1230v3: Die Rückseite enthüllt, dass die Grafikeinheit lediglich deaktiviert wurde
In unseren Indizes kommt der Xeon E3-1230v3 gut weg, auch wenn er keine Spitzenpositionen einnimmt - diese bleiben nativen Sechs- und Achtkern-Prozessoren vorbehalten, die sich aber natürlich weit außerhalb des im heutigen Test gesteckten Preisrahmens befinden. In Sachen Energieeffizienz, also der pro Watt erbrachten Leistung, steht die CPU jedoch auf Platz zwei hinter dem i7-4770K - hier haben alle übrigen bereits von uns getesteten Intel- wie auch AMD-Prozessoren zum Teil deutlich das Nachsehen. Die kompletten, neuen Indizes gibt es in der Print-Ausgabe der PC Games Hardware und zwar in der 01/2014, die ab dem 4. Dezember im Handel ist. Dort gehen wir auch weiterführend auf die einzelnen Benchmarks ein.
In unserem heutigen Test schneidet der Xeon E3-1230v3 zwar kaum irgendwo überragend ab, aber wenn man nüchtern die durchschnittliche Leistung in Relation zum Preis setzt, zahlen sie bei kaum einer CPU so wenig pro Leistung wie hier - ganz besonders gilt das natürlich für die Anwendungsperformance. Die Spieleleistung gewinnt der Xeon in dieser Betrachtung nur, wenn man ihn inklusive OC mit dem i5-4670K vergleicht. Und hier kommt auch das Problem des Prozessors zum Tragen: die geringe Optionsvielfalt: Durch die fehlende integrierte Grafik kann man Intels Quicksync-Videoumwandlung nicht nutzen, die Übertaktungssperre beim maximalen Turbo-Multi von 37 macht den Betrieb außerhalb der Spezifikation kaum lohnenswert - und wenn man eh nicht übertaktet, ist der schnellere i7-4771 (mit dem 4770K praktisch, leistungsmäßig sogar komplett identisch) auch nur noch 50 Euro entfernt, auch wenn er kein besseres P-/L-Verhältnis bietet.
Übertakter dagegen haben mit dem K-CPUs deutlich mehr Reserven, die sie ausreizen können: In Spielen zieht der i5-4670K bei moderaten 4,3 GHz zumeist davon. Den Titel "Geheimtipp" kann man deshalb nur vergeben, wenn man sich wirklich auf den Betrieb komplett innerhalb der Spezifikation beschränkt. Sind sie damit auch auf lange Sicht zufrieden, bietet derzeit kaum eine CPU so viel Leistung pro Euro wie der Xeon E3-1230v3.
Prinzipiell ist es nicht sehr unrealistisch das in nacher Zukunft Spiele mehrere Kerne nutzen. Da die Konsolen 8 Kerne haben.
Davon ausgehend sollte man mit dem Xeon mehr Zukunftssicherheit haben?